In diesem Herbst haben wir mit einem guten dutzend Kolleg*innen als Verein in einer Art Fortführung der Referent*innen-Exkursion eine kleine Reise nach Brandenburg an der Havel organisiert. Ziel war der dortige Dom und auch die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde.

Brandenburger Dom und die Schmähplastik

In Brandenburg haben wir zuerst den Dom besucht. Dort hat uns Michael Adam, pädagogischer Mitarbeiter des Domstifts Brandenburg, durch das Haus geführt. Die Führung betrachtete die allgemeine Geschichte, also die Baugeschichte ab 1165 auf der Dominsel. Es ging aber auch um Themen, die den meisten von uns nicht vertraut sind, zum Beispiel der Umgang mit den vielen erhaltenen Paramenten. Dabei handelt es sich um geistliche bzw. liturgische Kleidung. Ein weiteres Thema war die institutionelle Geschichte mit der Auflösung des Domstifts und der Besonderheit Wiedererrichtung durch die sowjetischen Behörden als Reaktion auf den kirchlichen Widerstand gegen die Naziherrschaft. Ein weiterer Aspekt war der heute mögliche bzw. wünschenswerte Umgang mit der langen Geschichte des Gebäudes und der Institution.

Führung mit Michael Adam, pädagogischer Mitarbeiter des Domstifts Brandenburg

Dem folgte eine ganz besondere Führung durch den Kreuzgang. Dieser war früher nicht öffentlich zugänglich, sondern diente den Männern des Domstifts als Raum für Kontemplation, Gebete und so weiter. Heute ist er Teil der öffentlich zugänglichen Ausstellung und findet entsprechend Interesse. Unser Guide hier war Dr. Cord Georg Hasselmann, Kurator und Vorstandsvorsitzender des Domstifts. Unterdessen hat er diese Stellung aufgegeben und ist einer der Domherren. Begleitet wurde er von der neuen Vorständin Dr. Lilla Mátyók-Engel.

Inhalt der Führung war vor allen Dingen die seit circa 1230 im Kreuzgang befindliche Schmähplastik (bekannt auch als „Judensau“). Viele Fragen sind auch nach der Führung offen. Zum einen die Frage wozu so eine Schmähplastik in einem nicht öffentlich zugänglichen Raum des Domes ursprünglich gedient hat. Andernorts sind ähnliche Darstellungen ganz öffentlich sichtbar. Und zum anderen wurde die Frage diskutiert, wie man nun mit so einer Darstellung umgeht. Das Abreißen ist allein aus baulichen Gründen kaum möglich. Das Domstift hat entschieden, die Arbeit zu konzeptualisieren und zu verhüllen. Die künstlerische Umsetzung liegt in den Händen von Ursula Wilms, die man zum Beispiel von der Gestaltung der Topographie des Terrors kennt. Die genaue, in jedem Fall reversible, Gestaltung und der Termin der Fertigstellung stehen noch nicht fest.


Besuch der Gedenkstätte zur NS-Euthanasie in Brandenburg


Nach einem stärkenden Mittagessen haben wir die Gedenkstätte zur NS-Euthanasie besucht, wo wir von Stefan Jürgens kundig herumgeführt worden sind in der Ausstellung selbst und auch auf dem Außengelände. Die Entwicklung vom so genannten Gesetz zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses über die Aktion T4 und dann weiter zu den dezentralen Krankenmorden war einigen vertraut, aber es gab auch hier neue Einblicke. Die zentrale Lage dieses Ortes der massenhaften Tötung von Menschen mitten in der Stadt und die damit verbundene Sichtbarkeit war für viele neu. Die Dauerausstellung vermittelt viele Aspekte dieser Ereignisse und lohnt jederzeit wieder einen Besuch.

Führung durch die Gedenkstätte zur NS-Euthanasie mit Stefan Jürgens.

Mit vielen neuen Erkenntnissen und noch mehr Fragen sind wir nach Berlin zurückgekehrt. Im nächsten Jahr bieten wir sicher wieder einen Tagesausflug an und freuen uns über rege Teilnahme und auch über Anregungen.

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